Stille breitet sich in mir aus. Kein Wort kommt aus meinem Mund. Immer wieder sage ich mir meinen Schutzsatz vor. "Ich bin kein Kind. Ich bin kein Kind. Ich bin kein Kind." In der Küche verliere ich fast die Nerven. Ich springe so hoch ich kann und lande mit beiden Füßen hart auf dem Boden. Der Aufprall ist laut. Niemand hört es. Schmerzen in den Füßen und Beinen. Ich schlinge meine paar Brocken Essen hinunter. Die Zeit schleicht dahin. Hinterher gehe ich die Küche putzen. Eine Betreuerin und Sie stehen mir ständig im Weg. Fragen über Fragen über Fragen über Fragen. Fast fange ich an zu weinen. Mit brüchiger Stimme sage ich: "Lasst mich doch bitte einfach die Küche aufräumen." Die Verbündete des Feindes sieht mich mit großen Augen an. Sie geht aus der Küche raus, schließt die Tür hinter sich. Ich bin alleine. Endlich alleine.
In der Kaffeerunde spricht meine zukünftige Einzeltante über die Themen, die sie behandeln will. Die Arztbriefe sind widersprüchlich. Sie will mit mir herausfinden welche Aussagen Spekulation sind und welche richtig sind. "Vielleicht bin ich ja bald gar nicht mehr da." Kurz zuckt Sie zusammen. "Selbstverständlich. Wenn sie sich hier unwohl fühlen, dann macht es Sinn, wenn sie woanders hingehen." Sie sagt: "Es wird immer Leute geben mit denen du nicht klarkommen wirst." Natürlich wird es Leute geben mit denen ich nicht klarkommen werde. Mich dem Trauma weiterhin auszusetzen erscheint mir allerdings auch nicht sehr logisch. Am Vormittag sagte ich im Einzel: "Emotional ist es wie Zuhause. Sie ist meine Schwester und der Betreuer, der gerade da ist, ist mein Vater."
Gedanklich bin ich gerade weit weg. Ich stecke irgendwo zwischen Resignation und der Ich-Frage fest. Angeblich bin ich mutig und gebe Ihr Gegenwind. Angeblich habe ich dies. Angeblich habe ich das. Wie gut, dass jeder weiß wer "Ich" bin und was mich beschäftigt. Mir fallen zwei Worte ein, die ich heute mehrmals benutzte: Perfekte Fassade

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