Samstag, 5. November 2011

Ich habe Zuhause geschlafen. Meine erster Gang morgens geht runter zu meiner Oma. Ich steige auf die Waage. 1,7 Kilo weniger innerhalb von 4 Tagen. Mein Herz lacht. Ich rechne meinen BMI aus. Ich fühle Stolz. Ich weiß, dass es ein falsches Gefühl ist, aber in diesem Moment ist es mir egal. Kurz überlege ich was wohl die Therapeutin sagen wird, wenn am Dienstag wiegen ist. Vermutlich sagt sie wieder nichts und ich darf mich heimlich freuen jeden Tag mehr und mehr Knochen zu sehen. Im Moment ist es mir wirklich egal.
Ich denke an Plusquam. Ich mache mir Sorgen um sie. Nächstes Wochenende werde ich sie besuchen. Sie erzählte, dass sie jetzt Flüssignahrung bekommt wegen ihrer Bulimie. Ein Bild schießt mir den Kopf. Ich liege auf einem Krankenhausbett und bekomme eine Infusion. Ich bin total abgemagert. Angst setzt ein. Ich wünsche mir, dass die Angst vor dem Abmagern größer wäre als die Angst vor dem Essen. Irgendwie ist sie das aber nicht. Gute Tage wechseln sich mit schlechten ab. Die meisten Tage sind schlecht. Ich fühle mich unwohl, ungeschützt, hilflos in diesem Haus hier. Wenn es mit der Nahrungsverweigerung so weitergeht, dann habe ich noch 7 Wochen hier, bis ich meine Gewichtsgrenze erreicht habe. Was passiert dann? Wohin soll ich dann gehen?
Ich weiß es nicht. Ich weiß im Moment gar nichts.

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