Sonntag, 23. September 2018

Ich liege auf dem Sofa. Mein Kopf ist irgendwo anders. Der Bildschirm vor mir ist schwarz, wie die Gedanken in meinem Kopf. Ich nehme die Decke neben mir, warte darauf, dass die Sonne endlich untergeht. Warte darauf, dass die Welt für ein paar Stunden innen und außen dunkel ist. Wo war die Ausfahrt? Wann bin ich an ihr vorbeigefahren? Es ist mir eigentlich egal, aber irgendetwas muss man denken, sonst ist man tot.

Montag, 17. September 2018

Ich sitze auf dem Balkon. Versuche Luft zu bekommen. Versuche mich nicht fallen zu lassen. Meine Hände tun weh, weil ich mich verzweiflt am Geländer festhalte. Die Tür steht offen, der Weg ins sichere Innere nur zwei Meter entfernt. Erste Hand, zweite Hand, den Türgriff packen.
Ich lege mich aufs Sofa, nehme mir eine Decke, fange an zu weinen und bleibe dort zwei Tage in der selben Stellung liegen. Um die Essensreste vor mir auf dem Teller schwirren immer mehr Fliegen. Mein Handy vibriert zwischendurch. Es ist mir genauso egal wie die Klingel. Ich mache nicht auf, denn hier wohnt niemand mehr. Hier atmet nur noch jemand. 

Sonntag, 10. Juni 2018

'Sagst du mir, wenn du nach Hause fährst?' 'Ja.' Sie sieht mich mit einem verächtlichem Blick an. Ich merke, dass sie keine Lust hat mit mir gemeinsam zu gehen.
Ich würde sie am liebsten anschreien. Ihr mitten ins Gesicht schreien, dass es nicht um sie geht. Es geht nie um sie.
'Dann lass uns gehen.'
Ich packe meinen Sachen, ziehe den Rucksack auf. Sie zieht ihre Kopfhörer auf. Sie will mich nicht hören. Sie will mich nicht sehen. Sie will nicht an mich denken.
Und ich habe wieder nur die Bilder in meinem Kopf und die Hände auf meinem Körper.

Dienstag, 29. Mai 2018

'Und was willst du im Moment?' Ich sage nichts. Wir schweigen. 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten. Ich halte die Stille nicht aus, fange an etwas zu sagen, dass sie verletzten wird. 'Ich weiß, dass ich nie wieder jemand an meiner Seite haben werde. Ich werde keine Kinder haben, ich werde keinen Sex mehr haben. Selbst wenn die perfekte Frau kommt, schicke ich sie weg. Es gibt keinen Platz in meinem Herzen für irgendjemanden.' Sie sieht mir in die Augen. Ich schaue mit kaltem Blick zurück.
Sie überfordert mich, so wie mich das Leben überfordert. Ich würde sie gerne festhalten, küssen, heiraten, mit ihr weglaufen, alles hinter mir lassen. Stattdessen stoße ich sie weg, weil er immer auf meiner Schulter sitzt, weil sie immer auf meiner Schulter sitzt, weil die Angst immer auf meiner Schulter sitzt.

Samstag, 26. Mai 2018

Sie schiebt ihr Rad, läuft direkt neben mir. Ich traue mich nicht anzusehen. Wir unterhalten uns über irgendwas. Es ist mir eigentlich egal was sie redet, solange sie redet. Ich höre ihr gerne zu, weil es ihr gut tut. Ich flirte gerne mit ihr, weil es ihr gut tut. Ich halte sie gerne im Arm, weil es ihr gut tut. Nur mir tut es nicht gut.

Donnerstag, 22. März 2018

Ich sitze auf dem Sofa, umklammere meine Beine. Ich müsste mich waschen, anziehen, auf die Arbeit fahren. Mein Magen verkrampft sich bei dem Gedanken, ich ziehe die Decke noch ein bisschen weiter nach oben. In mir ist eine Mischung aus Unsicherheit, Angst und Hunger.

Samstag, 17. Februar 2018

Ich rutsche nervös auf dem Stuhl hin und her. 'Für das, was sie erlebt haben, sind sie wirklich noch sehr fit.' Ich bin mir nicht sicher, ob sie lügt oder blind ist. Sie weiß aber auch nicht, dass ich nach dem Termin nicht schlafen kann, weil mir tausend Gedanken durch den Kopf gehen. Weil die Bilder einfach nicht aufhören. Ich hoffe, dass das Gespräch bald vorbei ist, ich einfach weglaufen kann. So lange laufen, bis ich seine Hände nicht mehr spüre, seinen Atem nicht mehr höre, sein Gesicht nicht mehr sehe. Ich will alles vergessen. Es soll nicht mehr in mir sein. Es wird aber immer da sein, nur ich werde irgendwann nicht mehr da sein.