Der Vormittag gleitet an mir vorbei. Ich lache und lache und lache, aber es ist nicht mein Lachen. Die Fassade steht. Ungewollt. Eigentlich wäre mir nach Weinen und Schreien. Meine Psyche steht kurz vor einem Totalausfall.
In der Therapie geht die Runde. Wir sollen unsere Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen beschreiben. Ich sage: "Meine Gedanken kreisen gerade nur ums Essen. Mein Magen schmerzt, weil er wahnsinnig leer ist, aber gleichzeitig kann ich nicht essen. Wenn ich nur daran denke jetzt essen zu müssen macht sich Angst und Traurigkeit in mir breit." Die Tante sieht mich an, als würde sie diese Worte das erst mal von mir hören. Mein Auge zuckt. Die Runde geht weiter. Meine Hand zuckt. Wir reden über Konflikte mit Mitmenschen. Mein Bein zuckt. Die erste halbe Stunde ist vorbei. Mein Auge, meine Hand und meine Beine zucken abwechselnd. Keine Kontrolle über die Muskeln. Die Sätze scheinen wieder nicht aus den Mündern der anderen, sondern von irgendwoher zu kommen. Ich verfalle in zuckendes Schweigen.
Am Ende der Stunde gibt es als Achtsamkeitsübung Schokolade. Ich reiche die Tüte weiter ohne eine zu nehmen. Die Tante wirft mir einen bösen Blick zu. Alle anderen legen sich das braune Zeug auf die Zunge. Quälend langsam lutscht jeder an seinem Stück. Ich werde gefragt warum ich abgelehnt habe. "Ich war einfach nur Achtsam. Ich hatte jetzt so einen Druck, dass ich dissoziiert wäre, wenn ich die Schokolade gegessen hätte." "Kommt es denn vor, dass sie wegen des Essens dissoziieren?" "Oft genug."
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