Mittwoch, 27. Juni 2012

Plusquam ruft an. Sie erzählt mir wie schwer es ihr fällt in der Klinik genug zu essen, weint sich bei mir aus. Sie fragt mich ob ich denn wenigstens nicht weiter hungere. Ich gerate ins stocken, versuche Zeit zu schinden bis mir eine Antwort einfällt, die vernünftig klingt. Ich sage ihr: "Es gibt gute und schlechte Tage." Ich weiß nicht ob sie mir das abgenommen hat. Ich befürchte, dass sie genau weiß, dass es gerade nur schlechte Tage gibt. Die ganze letzte Woche habe ich mir überlegt, was ich ihr erzählen soll, wenn ich in 2 Wochen auf einmal mit bisher 5 Kilo weniger vor ihr stehe. Ich will nicht, dass sie sich Sorgen macht. Sie muss auf sich achten und gesund werden.
Der Tag heute war ein Tag wie jeder andere auch. Aufstehen, wiegen, Kaffee trinken, Behördenkram machen, trinken, wiegen, trinken, trinken, trinken, Karten spielen, trinken, wiegen, wiegen, wiegen. Ich wundere mich wieso die Batterie von Lea noch nicht den Geist aufgegeben hat. Ich benutze sie bald öfter als ich atme. Es fällt mir schwer mich an die Zeit zurückzuerinnern in der ich eine Woche komplett ohne sie ausgekommen bin. Es muss mindestens 2384758297575 Jahre her sein. Vielleicht sind es aber auch nur 2 Wochen. Das Zeitgefühl ist sowieso das erste, dass ich verliere in einer Hungerphase. Ich weiß nicht wieviel Uhr es ist, meistens weiß ich nichtmal den Wochentag. Es könnte jeder Tag in der Woche sein, weil jeder Tag das gleiche bringt.


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