Ich telefoniere mit Plusquam, kann ihr kaum folgen. Ich bin müde. Es ist gerade mal 19 Uhr und ich befürchte, dass ich jeden Moment vom Stuhl kippe. Ich weiß nicht wieso mein Körper was dagegen hat, dass ich länger als bis 8 Uhr schlafe. Es ist vollkommen egal, ob ich um 22, 23, 24, oder 1 Uhr ins Bett gehe. Spätestens um 8 Uhr schrecke ich hoch. Heute morgen war es 7 Uhr 30. Ich laufe wie jeden Morgen ins Bad, hole die Waage, führe mein übliches Ritual durch. Erster Fuss, zweiter Fuss, Türgriff loslassen.
Es ist Samstag und das heißt, dass ich Brötchen holen muss. Ich mache mir kurz Gedanken darüber wie ich es schaffe, dass es zumindest so aussieht als würde ich etwas frühstücken. Meine größere Sorge ist allerdings, dass ich etwas verschlinge sobald ich mit der Tüte von sechs 200 Kalorien-Portionen nach Hause komme. Ich muss mich nicht groß anstrengen irgendetwas zu verstecken. Das ist vielleicht das einzig schöne hier. Ich setzte den Kaffee auf, damit ich direkt nach dem Kalorienbomenverkäufer meinen Magen betäuben kann.
Als ich in der Bäckerei stehe merke ich wieder einmal wie uninteressant das Leben eigentlich ist, wenn man nicht einfach sein Lieblingsgebäck mitnehmen kann. Ich kaufe die Brötchen und die Zeitung, blicke immer wieder sehnsüchtig auf die Nussecken. Die besten Nussecken auf der Welt, deren Geschmack mir heute verwehrt sein wird. Zuhause hole ich mir eine große Tasse Kaffee, blättere kurz in der Zeitung und gehe wieder nach oben um mein Esstagebuch auszufüllen. Ich lese mir kurz durch, was ich innerhalb einer Woche gegessen habe. Es ist erschreckend wenig. Mir fällt ein, dass ich noch Sprudelwasser brauche um weiterhin zu erschrecken, wenn ich das Esstagebuch lese. Meine Mutter meint, dass ich dann schon auch bitte mitfahren soll zum Einkaufen. Auf der Fahrt erzählt sie, dass wir nur wenig brauchen, weil wir irgendwie diese Woche kaum etwas verbraucht haben. Sie wundert sich ein bisschen darüber, ich mich nicht.
Meine Mutter läuft durch den Laden, während ich 5 Minuten vor der Tiefkühltruhe mit dem Eis stehe und einfach nur durch die Glasscheiben starre. Ich schüttle mich, hole das Wasser und versuche meinen Blick nur auf den Ausgang zu richten. Ich will mich nicht umsehen. Ich will nicht die Schokolade links von mir und die Chips rechts von mir sehen. Ich bin froh als wir endlich bezahlt haben und gehen können.
Nachmittags spielen wir Karten. Meine Mutter und meine Oma überlegen, wann sie anfangen zu grillen. Meine Mutter sagt: "Ich hab heute nur gefrühstückt und ein Eis gegessen. Ich mag schon relativ früh anfangen." Ich hätte gesagt: "Ich hab jetzt seit zwei Tagen nichts gegessen, da geht noch ein dritter Tag. Lass uns das Fleisch lieber einfrieren."

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