Mittwoch, 13. Juni 2012

Ich schleiche im Wohnzimmer herum, gehe in die Küche, meine Ohren beginnen zu klingen. Ich suche verzweifelt nach Wasser mit Kohlensäure, damit mein Magen schweigt. In der Speisekammer ist der komplette Wasserkasten leer. Das Engelchen auf der Schulter flüstert mir ins Ohr, dass es doch vollkommen okay sei etwas zu essen. Hunger sei ja schließlich nichts schlechtes. Ich lache das Engelchen aus und schnipse es von der Schulter.
Im Keller bei meiner Oma finde ich dann noch genug Wasser. Ich trinke ein bisschen, komme wieder zur Ruhe. Im Wohnzimmer lege ich mich aufs Sofa, schlafe ein. Ich weiß gar nicht wieso ich müde bin. Es fühlt sich auch nicht wie Müdigkeit an, sondern wie Erschöpfung. Mein Körper kommt im moment kaum zur Ruhe, weil er durch die Tage ohne Essen immer wieder aufgeschreckt wird, in Panik gerät. Und mein Verstand denkt auch an nichts anderes mehr als an Essensverweigerung. Ich komme mir ekelhaft vor, weil dieser Kreislauf mein Denken und Handeln den ganzen Tag beeinflusst.
Meine Therapeutin hat Recht, wenn sie meint, dass ich Zuhause nicht gesund werden kann, weil immer die Angst an meine Stirn klopft, aber ich kann nirgendwo hin gehen. Dafür war ich die letzten Jahre zu schwach. Ohne Job und Ausbildung werde ich einfach warten müssen. Einfach warten.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen