Freitag, 26. Januar 2018

Ich ziehe meinen Helm an, nehme den Schlüssel, gehe in den Keller. Es ist dunkel, ich blicke mich nervös um, hole das Fahrrad aus dem Ständer, schiebe es zur Tür. Meine Lust auf das Treffen wird von Sekunde zu Sekunde geringer. Fremde Menschen in einer engen Kneipe sind genau das was ich jetzt nicht brauchen kann.
Ich fahre so schnell, dass ich nach zehn Minuten schon da bin. Die Anderen warten davor. Ich versuche so wenig Nähe wie möglich bei der Begrüßung aufzubauen. Wir gehen rein, es werden irgendwelche Dinge besprochen. Ich halte mich zurück, sehe nur die Bilder, die schon so lange ständig da sind. Ein Mädchen sitzt neben mir, das ich ein bisschen mag. Sie tippt mich an. 'Darf ich mal schnell vorbei?' Mir wird erst jetzt bewusst, dass ich überhaupt noch hier bin. Ich bin froh, als endlich alle nach Hause wollen.
Das Mädchen und ich haben den selben Weg. Wir fahren also gemeinsam zurück. Ich würde gerne cool sein, sie beeindrucken. Wann war ich überhaupt das letzte Mal entspannt? 'Ich finde es schade, dass dir das passiert ist.' Was habe ich erzählt? 'Ich kann verstehen, dass du total durch den Wind bist.' 'Ich bin es ja gewohnt.' 'Bist du in Therapie?' 'Nein. Ich weiß alles, was ich brauche um mir gut genug selber zu helfen. Ich brauche nur Zeit.' Manchmal, wenn ich nicht weine, dissoziere oder Panik habe, glaube ich daran sogar. Wenn ich aber das Knurren in meinem leeren Magen höre, die Narben auf meiner Haut sehe, das schmerzende Brennen im Kopf spüre, dann weiß ich wieder, dass Zeit nicht alle Wunden heilt.

Am nächsten Morgen wache ich früh auf, weil mein Telefon vibriert. 'Es tut mir fürchterlich Leid. Mir ist aufgefallen, dass ich dich gestern auch angefasst habe ohne zu fragen.' Ich stehe ruckartig auf, falle dabei fast aus dem Bett. Ich tippe die Antwort so schnell ich kann: 'Das ist kein Problem. Dich mag ich und ich vertraue dir.' Es ist erst das zweite Mal in meinem Leben, dass jemand meine Grenzen gespürt hat. Vielleicht wird es ja doch irgendwann wieder gut.

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