Ich sitze unentschlossen auf dem Bett. Vor mir meine Schuhe. Ich will mich eigentlich anziehen, will rausgehen bis mir die Finger blau werden. Stattdessen bin ich hier und habe Angst vor der Welt. Nach dreißig Minuten bin ich endlich fertig, nehme meine Kopfhörer, drehe die Musik auf, laufe los. Ich gehe den selben Weg wie immer. Die Straße vor, den Berg runter, links durchs Tor, einmal um die Stadt. Es fängt an zu schneien, ich ziehe die Kapuze tiefer ins Gesicht. An der selben Stelle wie immer mache ich eine Pause, drehe mir eine Zigarette. Meine Hände sind inzwischen so kalt und steif, dass ich das Papier kaum aus der Packung bekomme. Sie bewegen sich in Zeitlupe, wie die Bilder in meinem Kopf. Ich bilde mir ein seinen Atem zu hören, spüre ihn direkt neben mir. Nach zwei Zügen ist er verschwunden.
Als alles Nikotin aus dem Tabak in meiner Lunge steckt, laufe ich weiter. Ich höre eine Gruppe Jugendlicher, mache einen Umweg. Sie lachen über irgendwelche Ausländerwitze. Vor ein paar Wochen wäre ich ihnen hinterhergelaufen, hätte sie gefragt, warum sie so dumm sind. Jetzt bleibe ich lieber still und hoffe, dass mich niemand sieht.
Eine Stunde später bin ich wieder Zuhause, gehe direkt in die Küche zur Kaffeemaschine. Ich kann die Kanne kaum halten, weil mir meine Finger so wehtun. Ich bin froh, als ich endlich alles in der Maschine untergebracht habe und lege meine Hände auf die Heizung. Sie fangen an zu kribbeln, ich fange an zu zittern. Ich rede mir ein, dass mich jede Minute draußen ein Stück näher in die wirkliche Welt zurückholt. Ich tue so, als wäre ich nicht längst zu weit weg. Ich erinnere mich an unzählige Artikel. 'Bewegen gegen schlechte Gedanken', 'Sport hat mein Leben gerettet', 'Ich habe mein Burn-Out weggejoggt'. Ich könnte auch Artikel schreiben. 'Wenn Nähe nie wieder schön ist', 'Gewalt und Missbrauch verbrennt auch Kalorien', 'Wie ich meinen Körper spürte und dissoziierte'.
es gibt keine hilfe mehr für uns.
AntwortenLöschendoch, für dich. daran will ich glauben, ein letztes mal.
mich nur haben sie lange schon, verständlicherweise, aufgegebenabgegeben, gefühlte 100x weggesperrt und mir nach empfundenen 100 therapieversuchen bescheinigt: nicht mehr zu retten. weder seelisch noch körperlich. schäden zu frühkindlich entstanden, schäden spätkörperlich zu massiv. innerlich und äußerlich nur noch verwaist und verwest. eigenverschulden - das ist ihre standardantwort. nicht für diese welt gemacht - ist meine.
deswegen auch... denke ich noch nach wie vor so oft an dich... weil ich dich eigentlich so gerne hatte... lieb sogar, ich erinnere nicht einmal mehr, wieso alles zerfiel. menschen sind eben angsteinflößend. (ich weiß - meine worte verhallen für dich ins nichts, weil nichtssagend...) weil es womöglich bald aus ist. liebste phie... ein teil meines splitterherzens gehört nach wie vor dir an. danke fürs lesen.