Als der Gong schlägt schmeiße ich wild alle Sachen in meine Tasche, hetze zur Straßenbahn, quetsche mich irgendwie durch die Tür. Mein Handy in der Hosentasche bleibt stumm. Ich rede mir ein, dass das ein gutes Zeichen ist.
Im Auto muss ich mich anstrengen die Tränen zurückzuhalten. Die Fahrten zuvor habe ich die Straße entweder wegen der Tränen oder wegen der Watte um mich herum kaum gesehen. Alles fliegt an mir vorbei. Die Zeit, Menschen, das Leben. Gedanken irren ohne Pause in meinem Kopf herum.
Nach 30 Minuten Fahrt steige ich langsam aus dem Auto, konzentriere mich auf jeden Schritt. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss, drehe ihn um. Auf der Treppe liegt ein Zettel. Ich lese einen Satz, lege den Brief dann wieder hin. Ich nehme ihn wieder in die Hand, lese noch einen Satz und lege ihn wieder auf die Treppe. Das Spiel wiederholt sich bis ich alles gelesen habe. Das einzige was ich begreife ist: Sie kommt nie wieder.
Ich weine fünf Minuten lang, bis sich Kälte in mir breit macht. Ich spüre wie meine Seele alle Gefühle wegschließt, Bilder aus meinen Gedächtnis löscht, den Schmerz beiseite schiebt.
Ich nehme den Zettel nochmal in die Hand, werfe ihn in den Mülleimer und lächle. Für mich gibt es keine Trauer. Nur Leere.

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