Freitag, 6. Dezember 2013

Ich habe mich schon so lange nicht mehr gemeldet. Fast habe ich vergessen, dass es diese Welt noch gibt.
Ich bin mittlerweile in einer meistens schönen Ausbildung, bin meistens stabil, vermisse meistens den Glücksbewerter nicht.
Nur manchmal sehe ich mich morgens im Bad ängstlich um, greife ins Regal und will das Schreckgespenst auf den Boden stellen. Erster Fuss, zweiter Fuss, Türgriff loslassen, schießt es mir dann durch den Kopf. Ich schließe meine Hand an der Stelle, wo das Ding immer stand. Ich greife ins Leere. Sie ist nicht mehr da.
Ich sehe in den Spiegel. Fühle ich mich schön heute? Nein, natürlich nicht. Das bin ja auch nicht ich.
Ich hebe mein T-Shirt an. Betrachte das Gesicht, die Schultern, den Bauch, die Hände. Mehr kann ich nicht sehen. Die Beine sind zu kurz. Ich lächle. Die Fremde im Spiegel lacht mit.
In der Küche schneide ich Brot auf. Ich lege mir zwei Scheiben auf den Teller und esse nur eine. "Immerhin isst du genug", denke ich. "Immer isst du zu wenig", sagt der Magen eine Stunde später. 
Auf den Weg zur Arbeit fällt mir das kuppeln mit jedem Meter schwerer. Das Bein wird müde und schwer. In der Kniekehle macht sich ein stechender Schmerz breit. Ich drehe den Radio lauter um das schlechte Gewissen leiser zu machen.


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