Ich liege im Bett. Seit Tagen, Wochen, Monaten kreisen meine Gedanken. In meinem Kopf stelle ich mich auf die Waage. Erstes Fuss. Zweiter Fuss. Türgriff loslassen. Eine Zahl leuchtet auf. Ich bekomme Brechreiz, weil sie so hoch ist. Ich bin gesund und irgendwie auch wieder nicht. Jeder Tag, an dem es mir schlecht geht, ist ein Kampf gegen mich selber, gegen den Ausweg Hungern. Ich kann der Versuchung kaum widerstehen in den Laden zu laufen. Ich sehe mich langsam durch die Reihen spazieren. Wie zufällig bleibe ich am Regal mit den Glücksbringern stehen. Ich sehe mir jede genau an. Die schönste davon ist für mich bestimmt. Ich nehme mir meinen Stoff, gehe zur Kasse.
Zuhause packe ich das Monster aus, stelle es auf den Boden. Ich habe die Kontrolle verloren. Über mich. Über mein Leben.
Waage anmachen. Ich kann andere nicht kontrollieren. Nur mich selber. Und ich werde gegen mich selber in den Kampf ziehen, damit ich wieder glücklich werde.
Erster Fuss. Vielleicht kann ich ja gesund abnehmen. Vielleicht schaffe ich es ganz normal zu bleiben.
Zweiter Fuss. Ich werde mich quälen. Solange bis ich mein Ziel erreicht habe. Die Zahl bedeutet mir alles. Nur davon hängt mein Glück ab.
Türgriff loslassen. Es wird ein harter Weg, aber ich kann es. Ich bin stark. Stärker als alle anderen. Ich bin die, die nie essen muss. Ich bin die, die mehr kann. Ich bin die, die ihr Leben wegwirft.
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