Ich setze mich an den Frühstückstisch. Wie selbstverständlich bleibt mein Teller leer. Ich habe nichtmal einen. Kaffee. Das Koffein lässt meinen Kopf Achterbahn fahren. Ich unterhalte mich locker mit meinen Eltern, tue so als wäre alles völlig normal.
Mit meiner Mutter zusammen mache ich den Wochenplan. Ich freue mich auf die nächste Woche. Die nächsten Wochen. Zum Frühstück Luft. Zum Mittagessen noch mehr Luft. Zum Abendessen ganz viel Luft. Wahrscheinlich bin ich abgestürzt, weil ich mich darauf freue. Vielleicht bin ich aber auch nur krank. Letzteres wohl eher. Sorgen mache ich mir in diesem Moment nicht. Wozu auch. Mir wurde ja oft genug gesagt, dass ich noch nicht dünn genug bin.
Abends zerfleischt sich mein Magen fast selber. Ich ziehe meine Kleider aus. Sehe auf die Anzeige. Sie sagt mir, dass ich etwas essen darf. Ich komme mir jetzt schon schlecht vor. Ich frage mich warum ich eine Zahl brauche um mir ein Brötchen zu gönnen. Ich schleiche zum Kühlschrank. Müll. Ich öffne die Tür, sehe soviele Dinge, die ich jetzt am liebsten Essen würde. Kontrollier dich. Meine Mutter hat Hüttenkäse gekauft. Halbfettstufe. Ich versuche mir wenigstens noch ein Stück Selbstachtung zu bewahren und greife zum Scheibenkäse. Ich mache mir noch einen Cappuccino dazu. Selbst dort fällt mein Blick zuerst auf die Kalorienangabe. Er liegt noch im Rahmen. Am liebsten würde ich jetzt anfangen zu weinen. Ich hasse diesen Kampf. Ich verschlinge das ekelhafte Zeug so schnell wie möglich, fliehe wieder nach oben. Nur nicht weiteressen. Mein Magen knurrt immer noch, aber jetzt ertränke ich die Leere im Sprudelwasser.

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