Ich steige ins Auto, drehe den Schlüssel um. Ich fahre zu einem Fahrradweg und fange an zu laufen. Ich laufe und laufe und laufe und laufe. Solange bis ich fast zusammenbreche. Ich will jedes Gramm Fett loswerden und wenn ich ewig dafür rennen muss. Ich verabscheue diesen fetten Körper. Ich hasse die spitzen Kommentare meines Vaters. Gestern sagte er, dass mein Bauch so groß wäre. Heute morgen sagte er, dass ich aber nicht sehr lange laufen gewesen wäre. Ich war fast eine Stunde weg. Ich werde nichts mehr essen. Nie mehr. Nie mehr. Nie mehr. Ich will nicht, dass mir irgendjemand noch sagen kann, dass ich hässlich bin. Ich will, dass die Leute auf der Straße sich nach mir umdrehen, weil ich der dünnste Mensch auf der Welt bin.
Ich werde morgen wieder laufen. Jeden Tag werde ich laufen. Und wenn ich nicht mehr laufen kann, dann krieche ich. Ich werde an keinem Tag mehr als 300 kcal zu mir nehmen. Ich bin stark. Ich bin stark. Ich bin stark.

du bist stark, ja. aber nicht, weil du beschließt zu hungern, sondern, weil du dich in den letzten wochen so stark dagegen entschlossen hast. bitte tu es nicht. du bist der wunderbarste mensch auf der welt. du bist nicht fett (auch, wenn du es selbst nicht glaubst). ich liebe dich. so, wie du bist. und das weißt du. sonst würden wir nicht seit bald einem jahr zusammen sein.
AntwortenLöscheneva
Entschuldigen Sie bitte, dass ich als zufälliger Passant Sie anspreche. Ich will keineswegs den Eindruck erwecken, mich von dem Schicksal einer Bloggerin im World Wide Web bekümmern zu lassen. Es geht mich nichts an. Ahnungslos und unbetroffen wie ich bin, ist es tatsächlich eine Frechheit, Ihnen so im Vorbeigehen mit einem Häuflein Klugscheiße zu kommen. Aber wenn man relativ anonym schnell das Weite suchen kann, gestattet wohl jeder sich manchmal Unverschämtheiten, die ihm im Alltag im Vorbeieilen nie passiert wären. Menschlich vielleicht. Sorry also, dass ich Sie hier in Ihrem privaten Weblog so behellige:
AntwortenLöschen„Regungslos blieb Siddharta stehen, und einen Augenblick und Atemzug fror sein Herz, er fühlte es in der Brust innen frieren wie ein kleines Tier, einen Vogel oder einen Hasen, als er sah, wie allein er sei. Jahrelang war er heimatlos gewesen und hatte es nicht gefühlt. Nun fühlte er es. Immer noch, auch in der fernsten Versenkung, war er seines Vaters Sohn gewesen, war Brahmane gewesen, hohen Standes, ein Geistiger. Jetzt war er nur noch Siddharta, der Erwachte, sonst nichts mehr. Tief sog er den Atem ein, und einen Augenblick fror er und schauderte. Niemand war so allein wie er. Kein Adliger, der nicht zu den Adligen, kein Handwerker, der nicht zu den Handwerkern gehörte und Zuflucht bei ihnen fand, ihre Sprache sprach. Kein Brahmane, der nicht zu den Brahmanen zählte und mit ihnen lebte, kein Asket, der nicht im Stamme der Samanas seine Zuflucht fand, und auch der verlorenste Einsiedler im Walde war nicht einer und allein, auch ihn umgab Zusammengehörigkeit, auch er gehörte einem Stande an, der ihm Heimat war. Govinda war Mönch geworden, und tausend Mönche waren seine Brüder, trugen sein Kleid, glaubten seinen Glauben, sprachen seine Sprache. Er aber, Siddharta, wo war er zugehörig? Wessen Leben würde er teilen? Wessen Sprache würde er sprechen? Aus diesem Augenblick, wo die Welt rings von ihm wegschmolz, wo er allein stand wie ein Stern am Himmel, aus diesem Augenblick einer Kälte und Verzagtheit tauchte Siddhartha empor, mehr Ich als zuvor, fester geballt. Er fühlte: Dies war der letzte Schauder des Erwachens gewesen, der letzte Krampf der Geburt. Und alsbald schritt er wieder aus, begann rasch und ungeduldig zu gehen, nicht mehr nach Hause, nicht mehr zum Vater nicht mehr zurück.“ Hermann Hesse.
So in das Jenseits von Gut und Böse hinüber zu gehen, empfinde ich als stark. Wie ein Neugeborenes keinen Wert mehr wissen für der Menschen Worte: Weder etwas zu verstehen unter „Schönheit“ noch unter „Kalorien“, sondern nur sehen, was vor Augen ist.
Ich kann das nicht. Vielleicht können Sie es.