Donnerstag, 27. Oktober 2011

Leere im Kopf. Leere in der Seele. Alles leer.
Nur die Müdigkeit ist in den Knochen. Dissogeplagte Muskeln. Jede Bewegung schmerzt.

Ich sitze in der Skillgruppe und versuche mich zwanghaft an die letzte Stunde zu erinnern. Die Betreuerin fragt etwas. Ich weiß die Antwort nicht. Natürlich weiß ich sie nicht. Ich weiß nichtmal was ich vor 5 Minuten sagte.
Mittagessen. Ich nehme mir heute mal Nachschlag. Während die 2te Portion zu mir herüberwandert weiß ich schon, dass das jetzt eine ganz schlechte Idee war.
Ergotherapie. Ein gemeinsames künstlerisches Projekt soll gefunden werden. Ich mache einen Vorschlag. Irgendeiner hat etwas dagegen. Ich mache einen anderen Vorschlag. Irgendeiner hat etwas dagegen. Mein Kopf rauscht. Ich will raus, will ins Zimmer zu den Klingen. Keiner bewegt sich auch nur einen Zentimeter von seiner Position weg. Immer wieder die selbe Antwort: "Das triggert mich"
Selbst Nudeln einkaufen wird zur Anstrengung, weil jeder von einer anderen Sorte Nudeln getriggert wird. Ich versuche ruhig zu bleiben. Es gelingt mir kaum. Ich überlege mich der Dissoziation einfach hinzugeben, aber irgendwie erscheint mir das nicht sinnvoll. Ich will schreien, will weinen, will irgendwie den Druck rauslassen. Das einzige was ich zustande bringe ist runterschlucken. Immer wieder schlucken, schlucken, schlucken. Solange bis ich voll bin und alles an mir auslasse.
Die Therapeutin sagte: "Früher half ihnen das um zu überleben" Ich sagte: "Keine Ahnung" "Jetzt dürfen sie ihre Bedürfnisse allerdings ohne Bedenken äußern" "Nein"
Die Therapie am Dienstag hätte ich mir sparen können. Ich weiß auch nichts mehr davon. Ich sah ihre Hände, ihren Mund. Beides bewegte sich. Ich hörte ihre Stimme, aber irgendwie schien die Stimme gar nicht aus ihrem Mund zu kommen, sondern von irgendwo im Raum.

Ich bin müde. Ich will morgen nicht aufstehen. Ich will nie wieder etwas essen. Wahrscheinlich würde das sowieso niemand bemerken. Unbemerkt durchs Leben geschlüpft, unbemerkt verschwunden. Vielleicht ist das nur ein Traum und ich wache gleich auf. Vermutlich ist es das aber nicht.
Was würde von mir bleiben, wenn ich langsam verschwinde? Erinnerungen? Wie lange würden die Erinnerungen bleiben, bis sie verblassen? Wie lange dauert es, bis man meinen Namen nicht mehr kennt? Wie lange würde der Schmerz anhalten, der in manchen Seelen brennt? Ich weiß es nicht. Jedesfalls lange genug um weiterzumachen. Und wenn schon nicht für mich, dann für andere. So wie es eben schon immer war.

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